Ambulante Pflege

Ambulante Pflege⎜KVA+ Ratgeber

Aufgrund des fortschrittlichen Alters oder in Folge einer ernsthaften Erkrankung kann eine Person als pflegebedürftig eingestuft werden und ist somit im Alltag auf fremde Hilfe angewiesen. Entscheidet sich die betroffene Person oder deren Angehörigen für eine Betreuung im eigenen Haushalt, kann die ambulante Pflege / Betreuung durch Angehörige oder einen ambulanten Pflegedienst erfolgen. 

Grundsätzlich stehen in der ambulanten Pflege drei Optionen zur Auswahl:

  • Die Pflege erfolgt durch einen Angehörigen
  • Die Pflege wird von einem mobilen Pflegedienst organisiert
  • Die Pflege wird von einer 24h-Betreuung organisiert

Wie kann ich einen Pflegegrad beantragen?

Durch einen medizinischen Dienst wird ermittelt, wie selbstständig die Person ist und welcher durchschnittliche Zeitaufwand benötigt wird, um der betroffenen Person zu helfen. Die Feststellung des Pflegebedarfs erfolgt durch den medizinischen Dienst der privaten Krankenversicherung Medicproof. 

Welche Vorteile entstehen durch die ambulante Pflege?

Während bei der stationären Pflege ein Umzug in eine Pflegeeinrichtung zwingend notwendig ist, können Pflegebedürftige durch den Einsatz der ambulanten Pflege in Ihrem gewohnten Umfeld bzw. den eigenen vier Wänden leben. Zudem muss sich der Betroffene lediglich an eine neue Person und nicht an ein gänzlich neues soziales Umfeld gewöhnen. Bestehende soziale Kontakte zu Freunden und Nachbarn können bei einer ambulanten Pflege weiter aufrechterhalten werden. Insgesamt hat eine pflegebedürftige Person bei dieser Art der Pflege nach wie vor das Gefühl, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, wobei stationäre Pflege meistens mit einem gewissen Kontrollverlust einhergeht. 

Ambulante Pflege, was steht mir zu?

Etwa drei Viertel aller Pflegebedürftigen leben in Ihrem eigenen Haushalt und werden von einer Pflegeperson betreut. Eine Pflegeperson ist nach dem Sozialrecht jemand, der ehrenamtlich und regelmäßig einen anderen Menschen in dessen häuslicher Umgebung pflegt. In den meisten Fällen ist die Pflegeperson ein Angehöriger. Jedoch können es auch Freunde, Bekannte oder ehrenamtlich tätige außenstehende Personen sein. Ergänzend oder alternativ kann auch ein Pflegedienst beauftragt werden.

Wird ein Privatversicherter ambulant gepflegt, stehen ihm unterschiedliche Leistungen zur Verfügung:

  • Pflegegeld § 37 SGB XI
  • Pflegesachleistung § 36 SGB XI
  • Umwandlungsanspruch § 45a SGB XI
  • Kurzzeitpflege § 42 SGB XI
  • Verhinderungspflege § 39 SGB XI
  • Entlastungsbetrag § 45 b SGB XI
  • Beratung  § 7a SGB XI 

In bestimmten Situationen ist auch die Kombination diverser Leistungen möglich. Wir geben Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Leistungen in der privaten Pflegeversicherungen und zeigen Ihnen anhand unterschiedlicher Beispiele auf, wie und in welcher Höhe Sie die privaten Pflegeleistungen abrufen können. 

Pflegegeld:

Pflegegeld kann abgerufen werden, wenn die pflegebedürftige Person von Freunden oder Verwandten unterstützt wird. 

In erster Linie unterstützt diese Pflegehilfe die Pflegeperson bei körperbezogener Pflege, pflegerischer Betreuung sowie bei der Haushaltsführung. Beispiele hierfür sind das Waschen, Anziehen, Aufräumen oder Hilfe bei der Zubereitung von Mahlzeiten.

Pflegegrad 1: 0,00 Euro

Pflegegrad 2: 316,00 Euro

Pflegegrad 3: 545,00 Euro

Pflegegrad 4: 728,00 Euro

Pflegegrad 5: 901,00 Euro

Pflegesachleistungen:

Pflegesachleistung kann abgerufen werden, wenn die pflegebedürftige Person einen ambulanten Pflegedienst beauftragt hat. Der ambulante Pflegedienst unterstützt die pflegebedürftige Person je nach Bedarf bei dem Waschen, Anziehen, Aufräumen und bei der Zubereitung von Mahlzeiten. Die Voraussetzungen für die Inanspruchnahme von Pflegesachleistungen ist, dass eine nachweisliche Pflegebedürftigkeit besteht und der Pflegegrad anerkannt ist sowie dass die Pflegeperson durch einen professionellen Pflegedienst unterstützt wird.

Pflegegrad 1: 0,00 Euro

Pflegegrad 2: 689,00 Euro

Pflegegrad 3: 1.298,00 Euro

Pflegegrad 4: 1.612,00 Euro

Pflegegrad 5: 1.995,00 Euro

Kann ich das Pflegegeld und die Pflegesachleistung kombinieren?

Pflegebedürftige in häuslicher Pflege haben zusätzlich die Möglichkeit, Pflegegeld und Pflegesachleistung zu kombinieren. Diese Kombination ist möglich, wenn die Pflegeperson durch einen Angehörigen/Freund und zusätzlich durch einen ambulanten Pflegedienst unterstützt wird. Zu beachten ist, dass die Leistung in der Kombination nicht mehr als 100 % betragen darf. 

Beispiel: Herr Mustermann befindet sich in Pflegegrad 2 und beantragt einen ambulanten Pflegedienst, der ihn unterstützt. Der Pflegedienst kostet Herrn Mustermann 450 Euro/Monat. Zusätzlich kommt seine Tochter mehrmals die Woche vorbei und kümmert sich um Ihren pflegebedürftigen Vater. Herr Mustermann bezahlt für den ambulanten Pflegedienst 450 Euro/Monat. Das entspricht 65 % seines Anspruches auf Pflegesachleistung in Pflegegrad 2. Er beantragt die übrigen 35 % in Form von Pflegegeld, um dies an seine Tochter weiterzugeben. Herr Mustermann erhält demnach monatlich:

450 Euro Pflegesachleistung (65% von 689,00 Euro)

110 Euro Pflegegeld (35% von 316,00 Euro)

Entlastungsbetrag:

Zusätzlich zu Pflegegeld und Pflegesachleistung kann ein Entlastungsbetrag von bis zu 125,00 Euro monatlich erstattet werden. Diese Leistung können auch Pflegebedürftige mit Pflegegrad 1 in Anspruch nehmen. Der Entlastungsbetrag kann zur Entlastung pflegender Angehöriger und Freunden verwendet werden. Um die 125,00 Euro Entlastungsbetrag zu nutzen, müssen die Leistungen von den zuständigen Behörden anerkannt sein. Hierzu gelten unterschiedliche Richtlinien in den Bundesländern. Allgemein gilt jedoch, dass der Betrag von 125,00 Euro nicht verpflichtend monatlich zu beantragen ist, sondern über ein gesamtes Jahr je nach Bedarf beliebig verteilt werden kann.

Pflegehilfsmittel:

Im Versicherungsschutz sind auch notwendige Pflegehilfsmittel enthalten. Hierzu zählen beispielsweise Rollstuhl, Pflegebett oder Hausnotrufsysteme. Nach Möglichkeit werden diese Hilfsmittel leihweise zur Verfügung gestellt. Sind keine Leihgeräte vorhanden, müssen 10 % der Anschaffungskosten von dem Versicherten selbst getragen werden (max. 25 Euro). Für Verbrauchshilfsmittel wie beispielsweise Einmalhandschuhe oder Desinfektionsmittel können monatlich 40 Euro erstattet werden.

Bekomme ich einen Zuschuss auf die Verbesserung des Wohnumfeldes?

Damit ein Pflegebedürftiger weiterhin in seiner gewohnten Umgebung leben kann, sind oftmals Anpassungen der Einrichtung notwendig. Ein Beispiel hierfür ist eine barrierefreie Dusche. Für derartige Verbesserungen gewährt die Pflegeversicherung einen Zuschuss von maximal 4.000 Euro je Maßnahme. Beamte sollten beachten, dass die Maßnahmen nur beihilfefähig sind, wenn ein Anspruch auf Zahlung eines Zuschusses durch die private oder soziale Pflegeversicherung besteht. 

Kurzzeitpflege:

Wenn die häusliche Pflege im erforderlichen Umfang nicht oder noch nicht möglich ist, kann eine versicherte Person mit Pflegegrad 2 bis 5 vorübergehend in eine stationäre Pflegeeinrichtung oder eine andere geeignete Einrichtung aufgenommen werden. Ein Beispiel für die Kurzzeitpflege ist, wenn eine Pflegebedürftigkeit erst neu entstanden ist und die Organisation der Pflege noch nicht geklärt werden konnte. In diesem Fall erstarrt die Pflegeversicherung bis zu 1.612 Euro für acht Wochen im Kalenderjahr. 

Verhinderungspflege:

Erkrankt eine pflegende Person oder benötigt Urlaub und kann vorübergehend die Betreuung oder Pflege nicht gewährleisten, hilft die Verhinderungspflege. Der Versicherte hat die Möglichkeit, eine Ersatzpflegekraft zu beauftragen oder vorübergehend in einer stationären Pflegeeinrichtung betreut werden. Die Voraussetzung für die Verhinderungspflege ist, dass die pflegende Person den Pflegebedürftigen mindestens sechs Monate in seiner häuslichen Umgebung gepflegt hat. In diesem Fall bezahlt die Pflegeversicherung für maximal sechs Wochen 1.612,00 Euro im Kalenderjahr.

Die Verhinderungspflege ist auch stundenweise und an einzelnen Tagen möglich. Zu beachten ist, dass das Pflegegeld nur in voller Höhe ausgezahlt wird, wenn die pflegende Person weniger als 8 Stunden verhindert ist. 

Ist die Verhinderungspflege auch durch einen Verwandten möglich?

Ist die Ersatzpflegekraft mit der pflegebedürftigen Person verwandt bis zum 2. Grad oder lebt mit der pflegebedürftigen Person in einer häuslichen Gemeinschaft, verringert sich der Erstattungsbetrag. In diesem Fall zahlt die Versicherung bis zum Anderthalbfachen des Pflegegeldes. Hinzu kommen im Zusammenhang mit der Ersatzpflege entstandene Kosten wie beispielsweise Fahrtkosten oder ein Verdienstausfall. Diese Kosten erfordern jedoch einen Nachweis. 

Kann ich die Kurzzeitpflege und die Verhinderungspflege kombinieren?

Der Versicherte hat die Möglichkeit, verfügbares Budget aus der Kurzzeitpflege (bis zu 806,00€) für die Verhinderungspflege zu verwenden (bis zu 2418,00 Euro), ebenso kann der Versicherte Budget aus der Verhinderungspflege für die Kurzzeitpflege verwenden (bis zu 3.224,00 Euro).

Pflegeberatung:

Pflegebedürftige und deren Angehörige können sich individuell schulen und beraten lassen. Im Bereich der privaten Krankenversicherung ist die Compass private Pflegeberatung der richtige Ansprechpartner. Beratungen sind telefonisch und persönlich möglich.

Übersicht der Ansprüche:

Wie kann ich die oben genannten Pflegeleistungen abrufen?

Im ersten Schritt benötigen Sie für das Abrufen der Leistungen ein Pflegegutachten, dass den Pflegegrad der betroffenen Person bestätigt. In der privaten Krankenversicherung ist der medizinische Dienst Medicproof der richtige Ansprechpartner. Im Anschluss daran können Sie das Pflegegeld bei Ihrer zuständigen privaten Krankenversicherung und der Beihilfestelle beantragen. Beachten Sie, dass bei einigen Beihilfestellen die Beantragung des Pflegegeldes monatlich oder quartalsweise erfolgen muss. Informieren Sie sich hierzu bei Ihrer zuständigen Beihilfestelle.

  1. Pflegegutachten für Privatversicherte: https://www.medicproof.de
  2. Pflegegeld bei der privaten Krankenversicherung beantragen

Ansprüche für pflegende Angehörige nach dem Pflegezeitgesetz und dem Familienpflegezeitgesetz:

Je nach wöchentlich erbrachtem Zeitaufwand für die Pflege einer anderen Person stehen Angehörigen bestimmte Vorteile zu. Generell bilden das Pflegezeitgesetz (PflegeZG) und das Familienpflegezeitgesetz (FPfZG) die rechtlichen Grundlagen für die Ansprüche pflegender Angehöriger, um die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege zu vereinfachen. Während das PflegeZG eine teilweise Freistellung einer Person für die Pflege eines Angehörigen bis zu sechs Monaten regelt, ist in dem FPfZG eine Umstellung des Arbeitsverhältnisses des Pflegenden auf Teilzeit über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren festgehalten. Angehörige, die wöchentlich mindestens 14 Stunden für die ambulante Pflege einer nahestehenden Person aufbringen, haben zudem einen Anspruch auf bestimmte Leistungen der Pflegeversicherung des Pflegebedürftigen. Diese sind in den drei Pflegestärkungsgesetzen (PSG 1, 2, 3) niedergeschrieben. 

Hilfreiche Links zum Nachschlagen:

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