Zinsen in der PKV

Zinsen in der PKV

Die Beitragshöhe in der PKV richtet sich nicht nur nach den unmittelbaren Leistungsumfang – auch andere Faktoren wie beispielsweise die wirtschaftliche Situation des PKV-Unternehmens nimmt einen Einfluss. Nicht zuletzt wirken sich aber auch demografische Entwicklungen und politische Entscheidungen auf die Beitragshöhe aus. So ist ein nicht zu unterschätzender Faktor der Leit- und Rechnungszins. Somit hängen Zinsen in der PKV direkt mit der Zinspolitik zum einen und zum anderen mit der Beitragshöhe und dem Finanzierungssystem zusammen.

Was ist das Äquivalenzprinzip in der PKV?

In dem privaten Versicherungssektor wird für die Berechnung der monatlichen Beitragshöhe für Versicherungsnehmer das Äquivalenzprinzip angewendet. Gemäß diesem Prinzips wird der Beitrag äquivalent zu individuellen Faktoren wie dem abgeschlossenen Versicherungsschutz, Alter, Geschlecht (nur ältere Tarife, vor 2021 (sogenannte Bisex Tarife)) und Vorerkrankungen sowie in Abhängigkeit vom Selbstbehalt kalkuliert. Um auf eine Zunahme altersbedingter gesundheitlicher Probleme zu reagieren und für einen höheren Bedarf an medizinischer Versorgung in der Zukunft vorzusorgen, ohne die Beiträge im Alter plötzlich drastisch erhöhen zu müssen, werden Alterungsrückstellungen gebildet. Demnach wird von dem Beginn der Mitgliedschaft bei einer privaten Krankenkasse an für die Zukunft vorgesorgt. Somit zahlen Versicherungsnehmer in jungem Alter einen zunächst höheren Beitrag als die in Anspruch genommenen Leistungen verlangen würden. Die Differenz wird dann als Alterungsrückstellungen monatlich von der PKV angelegt. Hierdurch können plötzliche Beitragserhöhungen im Alter vermieden werden.

Wozu werden Alterungsrückstellungen in der Zwischenzeit genutzt?

In der Zeit, in der Versicherungsnehmer einen höheren Beitrag zahlen als die in Anspruch genommenen Leistungen verlangen würden, werden die Rücklagen von der PKV am Kapitalmarkt angelegt. Je mehr Zinsen auf diese Anlagen gegeben werden, desto gewinnbringender ist das gesamte System. Die zu erwartenden Zinserträge werden von der PKV bereits im Vorhinein bei der Beitragskalkulation eines Versicherungsnehmers berücksichtigt.

Was ist der Grund für die Niedrigzinspolitik?

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit der Niedrigzinspolitik auf die Finanz- und die Schuldenkrise in Europa in den Jahren 2008 und 2010 reagiert. Ziel war es dabei, durch niedrigere Zinsen die Länder und deren Wirtschaft zu entlasten und somit ein Wirtschaftswachstum und eine Zunahme an Investitionen in Europa anzustoßen. Im Rahmen der Niedrigzinspolitik ist der Leitzins der EZB in den letzten Jahren auf 0 % gesunken. Da sich Zinsauszahlungen aller Banken in Europa an diesem Leitzins orientieren, zahlen auch diese mittlerweile nur noch sehr geringe Zinsen aus. Diese Entwicklung hat zur Folge, dass es für Anleger unattraktiv geworden ist, Geld auf einem Konto anzusparen. Vielmehr wird Kapital in Sachanlagen oder an der Börse investiert, um Gewinne zu erzielen. 

Welchen Einfluss hat die Niedrigzinspolitik auf das Finanzierungssystem der PKV?

Die Niedrigzinspolitik der EZB beeinflusst die gesamte Wirtschaft und damit auch den Sektor der Privatversicherungen. In der Vergangenheit konnte dieser Sektor einen stabil hohen Zinssatz erwirtschaften. Die Niedrigzinspolitik hat jedoch dazu geführt, dass neu erworbene Anleihen nur noch einen sehr geringen Zinsertrag mit sich bringen. Mit Hilfe von höher verzinsten und damit gewinnbringenden Anlagen aus der Vergangenheit konnte die PKV im Jahr 2015 dennoch eine Verzinsung von durchschnittlich 3,7 % und im Jahr 2019 immerhin noch 2,8 % erzielen. Somit ist die Höhe der Zinsen zwar rückläufig, aber noch deutlich höher als der Leitzins von 0 %. Allgemein hat diese Entwicklung jedoch eine Umkalkulierung in der PKV zur Folge, da fest einkalkulierte Zinserträge wegfallen. Somit kann es durchaus zu Beitragsanpassungen für Privatversicherte kommen, um dieses Defizit auszugleichen.

Die PKV als finanzielle Stütze in der Corona-Pandemie?

Auch wenn die Zinserträge der PKV rückläufig sind und auch der Gesundheitssektor von der Niedrigzinspolitik betroffen ist, hat sich das duale Gesundheitssystem in der Krise bewährt. Im Vergleich mit anderen Ländern konnte das deutsche Gesundheitswesen von Rücklagen vergangener Jahre profitieren und somit die medizinische Versorgung der Bevölkerung und notwendige Hilfen gewährleisten. Besonders der private Sektor hat Ausgaben für Hilfsmaßnahmen während der Pandemie getätigt und somit aktiv an der Bewältigung der Krise mitgewirkt.

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